Goedicke_scheibebrot_presse_D.pdf

PRESSEMITTEILUNG

Claus Goedicke– Scheibe Brot

05. Februar 2010 – 17. April 2010

Die Geschichte der Dinge

Wer betrachtet sie schon, die alltäglichen Dinge, mit denen wir zu tun haben, Seife, Schere oder

Hammer? Zwar gibt es den Trend, aus allem eine Ästhetik-Philosophie zu machen und dieses in

immer raffiniertere Designs zu packen, doch war die Haltbarkeit von Alltagsgegenständen nie kürzer

und die Menge, die uns davon umgibt, kaum je größer.

Mit dem Wesen dieser Dinge, mit ihrer Erscheinung, unserem Verhältnis zu ihnen und dem

Verständnis von ihnen, beschäftigt sich Claus Goedicke seit jeher. Sein Interesse gilt allem, was von

uns benutzt oder verputzt wird, von der Plastikflasche bis zum Gemüse. In seiner jüngsten, 2007

begonnenen Serie widmet er sich den Basiselementen unseres täglichen Lebens, all den Dingen, die

uns unverzichtbar sind und mit denen wir trotzdem — oder gerade deshalb — unbedacht umgehen.

Dazu zählen Grundnahrungsmittel wie Brot, Butter, Ei ebenso wie einfaches Werkzeug, vom Besteck

über den Hammer bis zur Schere. Welcher Charme von letzterem ausgehen kann, hat uns Mitte der

1950er Jahre bereits Walker Evans mit einem Portfolio von Fotografien gezeigt, zu denen er festhielt:

„Ein Eisenwarenladen ist eine ganz eigene museale Darbietung für all diejenigen, die einen Bezug zu

klaren, rein funktionalen Gegenständen haben.“

Doch nicht nur das Werkzeug, auch die vielen anderen von Claus Goedicke aufgegriffenen Objekte

dienen primär einer Funktion, und ihre Form ist darauf ausgerichtet, dieser Funktion bestmöglich

gerecht zu werden. Diesen Gegenständen kommt in Goedickes Aufnahmen eine ganz eigene Anmut

zu, die nicht zuletzt auch aus dem Zusammenspiel von Objekt und Untergrund resultiert. Die so noch

nicht gesehene Kombination von auratischem Ding und bekanntem, aber nicht näher spezifiziertem

Untergrund bildet einen Kosmos, in dem sich die Imagination frei bewegen kann. Die Dinge haben

einen Kontext und bleiben doch unabhängig, die Fotografie hat sie ihrer konkreten Nutzung

entzogen. Sie werden zu Objekten der Betrachtung und sind als solche ebenso unmittelbar in ihrer

physischen Präsenz wie ihrer Bildlichkeit und ihrem symbolischen Charakter.

In ihrer Reduktion und gleichzeitigen Konzentration laden uns die Fotografien Claus Goedickes dazu

ein, in die Geschichte des jeweiligen Gegenstandes einzutauchen.

- Maren Polte, 2010.

Claus Goedicke lebt und arbeitet in Berlin.