Pressemitteilung
Markus Weggenmann
Twist and Shout
17.11.2007 – 2.2.2008
Beschwingt und farbenfroh hält Malerei Einzug in die Räume der Galerie. Markus Weggenmann (*1953 in Singen/Hohentwiel, lebt in Zürich und Berlin) zeigt in seiner zweiten Einzelausstellung bei fiedler contemporary eine Auswahl seiner aktuellsten Lackgemälde, die sich wie die 2005 gezeigten Sommersprossen durch ihr reflektiertes Eingehen auf das Medium Malerei und durch ihre intensive Farbwirkung auszeichnen. Ausgangspunkt dieser Bilder sind kleinformatige Gouachen, in denen sich ein Farbeindruck, eine momentane äussere oder innere Befindlichkeit, eine mäandernde Erinnerung im spontanen malerischen Gestus niederschlägt. Endprodukt ist eine in mehreren Zwischenschritten von aller Textur befreite Malerei, die auch dann noch als solche anzusehen ist, wenn sie es, technisch betrachtet, aufgrund ihrer Fertigungsweise nur noch vorspiegelt zu sein.
Im Zentrum der Werkpräsentation stehen fünf monumentale Autolacktafeln im Format 193 x 143 cm (Nr. 336–340). Auf monochromem Grund oder in starker Nahsicht, so dass die Unterscheidung in Figur und Grund dahinfällt, zeigen sie ringelnde, rankende, sich windende und ineinander verschlungene Farbbänder, die ihr Gegenüber, nolens volens, in ihren Sog ziehen. Der angeschlagene Ton ist kräftig; die Buntheit des Kolorits spricht von der Lust des Künstlers am Umgang mit der Farbe und seinem profunden Wissen über deren Wesen und Kombinierbarkeit.
Vorangegangen ist dieser Werkgruppe eine im letzten Sommer in der Kunsthalle Bremerhaven gezeigte, erstaunlich beruhigt wirkende Bildfolge. Ihre verhaltene Farbigkeit, in deren Schutz sich Linienknäuel und Schlingwerk bereits ankündeten, klingt hier in einigen der im dritten Raum präsentierten, mit 70 x 80 cm deutlich kleineren Querformate noch nach (Nr. 331, 332, 335). Ihnen beigesellt und zu einem Crescendo arrangiert, ist eine Auswahl farbintensiverer Setzungen, die ihre Bildkraft aus der Überlagerung verschiedener Formen gewinnen und oft mittels gezielt eingesetzter Komplementär- und Sekundärfarbenkontraste zusätzlich aktiviert werden. Ihren Gegenpart stellen zwei auf den grösstmöglichen Kontrast reduzierte Schwarz-Weiss-Arbeiten dar (Nr. 326, 327), die formal zunächst eigenständig erscheinen, bei genauerer Betrachtung aber ebenfalls den Pinselgestus erkennen lassen.
Twist and Shout hat Markus Weggenmann die Ausstellung genannt und damit den im einzelnen unbetitelten Arbeiten einen persönlichen Hintergrund verliehen. Mit dem Twist ist er aufgewachsen, und über den Songtitel, der durch die Beatles zum Welterfolg wurde, verbindet sich seine Malerei sowohl mit dessen kreisenden Bewegungen wie mit der „lauten“, lebensfrohen Haltung. Das Ergebnis ist eine gleichsam synästhetische Erfahrung, über die sich die Malerei in unserer Vorstellung in eine neue Dimension erweitert.
Diese Übertragung des Malereispezifischen in eine andere Wahrnehmungsform ist nicht zuletzt auch Markus Weggenmanns Anliegen bei den Teppicharbeiten, welche die Bildauswahl ergänzen. Und wie bei den Lackgemälden, deren Endausführung der Künstler dem Spezialisten überlässt, ist die teilweise Löschung der Autorschaft auch bei den aus Schurwolle handgetufteten Unikaten ein Thema. Alles dreht sich um die Übersetzung des vom Künstler Eingebrachten in eine letztlich sehr unsentimentale, keineswegs aber emotionslose Form. Und so dürfte – trotz, oder gerade wegen des Materials – ein wohlig-wolliges Wohnzimmergefühl wohl kaum aufkommen – im Gegenteil: C’mon, c’mon, c’mon, c’mon baby, now!
Astrid Näff