Sonja Braas
„The Quiet of Dissolution“
10.2. – 7.4.2007
Die Galerie fiedler contemporary eröffnet am Freitag den 9. Februar 2007 ihre diesjährige Auftaktausstellung mit neuen Fotoarbeiten der in New York lebenden Künstlerin Sonja Braas (*1968). Wie schon in ihrer Werkreihe „You are here“ , 2001, und „Forces“, 2003, beschäftigt sich die Künstlerin mit der Darstellung und Wahrnehmung von Natur.
Während die frühen Arbeiten ein romantisches Idyll zeigen oder simulieren, gewinnt die Natur in ihren aktuellen Werkgruppe an Eigendynamik. Natürliche Prozesse kulminieren in Katastrophen: Einem alles vernichtender Lavastrom, einem gefährlicher Wirbelsturm, Waldbränden oder schwarzen Ölmassen. Es sind Naturkatastrophen, die durch die weltumspannende Kommunikation und durch Medienbilder überall wahrnehmbar werden.
Sonja Braas intendiert mit Ihren Fotografien einen andersartigen Umgang mit – und Blick auf – Naturkatastrophen. Dabei verwendet sie eine ähnliche Strategie wie bei früheren Arbeiten. Sie lässt den Betrachter zunächst in eine Falle treten, angezogen von der überwältigenden Präsenz der Bilder: Aus nächster Nähe sind die wuchtig-erhabenen Situationen abgelichtet, fast als hätte sich die Kamera mitten drin befunden. So gelingt es Sonja Braas, die Kraft und Energie, die in diesen ungebändigten Naturschauspielen zum Ausdruck kommt, sicht- und beinahe hörbar zu machen.
Doch stellt sich gerade an diesem Punkt, an dem die gesteigerte Intensität der Naturschauspiel hervortritt, die Frage nach der Authentizität der Bilder. Subtile Andeutungen und malerische Elemente lassen erahnen, dass einige der Bildinhalte simuliert sind. Das Versprechen einer ‚wahren Katastrophe’ bleibt unerfüllt. Das Echte erscheint nicht wahr, die Rekonstruktion in ihrer ‚ästhetischen Komposition’ aber vielleicht besser und bestechender als das Original.
Entgegen erster Vermutungen entstehen die Fotografien nicht durch rechnergestützte Manipulationen, sondern mittels großformatiger Modelle, die einzig und allein zu diesem Zweck von der Künstlerin hergestellt werden. Monatelang arbeitet Sonja Braas im Studio an deren Inszenierung und jedem kleinsten Detail.
Die Bildmotive von „The quiet of Dissolution“, zeitlich und örtlich nicht genau zuzuordnen, wirken wie Sinnbilder, wie eingefrorene Momente des Unvorhersehbaren, des Plötzlichen und Überwältigenden – wie Natur in ihrer verdichteten Form. Darüber hinaus gelingt es ihnen, den emotionalen Zustand zu beschreiben, in dem wir uns beim Anblick einer Naturkatastrophe befinden: Wir sind gefangen von dem, was wir da sehen und ‚Halten den Atem an’.
Sonja Braas wurde 1968 in Siegen geboren. Ihr Studium der Visuellen Kommunikation, des Foto- und Filmdesign hat sie an der Fachhochschule in Dortmund und an der School of Visual Arts in New York absolviert. Seit 1997 lebt und arbeitet sie in New York.